Die Orgelbauanstalt RÜHLMANN bestand über 90 Jahre. Es verließen über 460 Orgelwerke (Umbauten eingerechnet) die Firma, wobei die meisten in irgendeiner Form noch existieren (Original, Ruine, Fragmente). Erweiterungen und große Umbauten werden durch ihn in späterer Zeit ebenfalls als Opus geführt.
Nach 1915 nahm das ordnungsgemäße Führen der erbauten Orgeln stetig ab, deshalb sind ab diesem Zeitpunkt verstärkte Forschungen notwendig. Noch weniger Informationen gibt es ab 1930.

Die Wurzeln der Rühlmanns, einst aus Schnellroda stammend, waren mit musikalischen Fähigkeiten ausgestattet. Die Orgelbautradition begann 1846 mit Friedrich Wilhelm Rühlmann (1812-1878). Er wurde in Schnellroda bei Querfurt geboren und wuchs hier auch auf.
Vor seiner Heirat am 24.04.1842 wohnte er mit seiner Zukünftigen, Caroline Emilie Schmidt, bereits in Kütten, Nähe der Kirche. Die Beiden wurden allhier in der Kirche zu Kütten getraut.   << Heiratsurkunde, original  Heiratsurkunde, übersetzt >>

Die Literatur weiß zu berichten, dass sein Lehrmeister “Moritz Baumgarten” aus  Merseburg war. Friedrich Wilhelm schaffte es bis zum Geschäftsführer. So legte er seine Meisterprüfung im Orgelbau ab und machte sich 1842 in Zörbig selbständig.
Warum gerade Zörbig?
Dieser Ort beherbergte bereits in den Jahren zuvor namhafte Orgelbauer - mitteldeutsche Orgellandschaft - und war im 18. Jahrhundert Residenzsitz der Herzöge von Sachsen-Merseburg.
PRIVAT

Von 1842 bis 1866 verließen unter der Führung von Friedrich Wilhelm gerade 6 Orgeln die Rühlmann - Werkstatt.  << Wohnung und Gebäude vor 1914 und um 2005 >>
Die Geschäftsführung übernahm sein Sohn Wilhelm sen. (1842 - 1922) bereits im Jahre 1866, da sein Vater schwer krank war. Sein Bruder Georg Theodor (1847 - 1910) stand immer im Hintergrund und war ebenfalls beim Vater und bei Friedrich Ladegast (1818 - 1905), Weißenfels, in der Lehre. Bei Dornitz entstand die erste Orgel des Sohnes. Auf Anregung durch seinen Altmeister Ladegast unternahm Rühlmann 1869 und 1871 zwei größere Reisen nach Livland (Baltikum) Hierbei lernte er eine große Anzahl von fremden Orgeln kennen. 1879 ging es nach Frankreich, um dort große Orgelwerke sich anzusehen.
Als einer der ersten Orgelbauer in Deutschland wandte er die Pneumatik an - Bernburg, Martinskirche, war die erste pneum. Orgel durch die Firma erschaffen.

Als Nachfolger stand Wilhelm Rühlmann jun. (1882 - 1964) ab 1922 fest. Der geschichtsbewusste Rühlmann war großbürgerlich, humorvoll und führte ein glückliches Familienleben ohne irgendwelchen Schnickschnack. Aber mit der aufkommenden Kirchenbürokratie und Kämpfen bei Verhandlungen hatte es Wilhelm Rühlmann jun. nicht so. Er war Genießer statt Kämpfer!
Leider hatte er eine schwere Zeit zu überwinden - Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg waren entscheidend. Aber vorher hatte er allerhand mit dem Orgelsachverständigen Willi Strube zu kämpfen. Er hatte mit Anteil an dem Niedergang des Zörbiger Orgelbaus.
Bereits 1932 musste die Belegschaft verkleinert werden. So ging z.B. der Toningenieur Herbert Bohnstedt zu Paul Rother nach Hamburg.
Wilhelm Rühlmann, Chef, war im Ersten Weltkrieg Hauptmann auf der Sinai-Halbinsel und im Zweiten Weltkrieg Major in Norwegen und Italien. Zu Hause führte seine Schwester mit einigen verbliebenen Mitarbeitern, meist Rentnern, den Betrieb fort. Am 31.12.1940 stellte Anna Rühlmann den Betrieb vorläufig ein.
Albrecht Rühlmann (1927 - 2015), wollte gern Orgelbauer werden. Er musste bereits mit 16 Jahren zum Arbeitsdienst, 1944 zur Wehrmacht und 1945 kam er in russische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr aus Sibirien war an einen Neuanfang in Zörbig nicht mehr zu denken. Der Vater hatte ein Augenleiden welches zur Erblindung führte. Der Stamm der “Rühlmänner” war im Krieg gefallen und außerdem hatte er keine Berufsausbildung. Sein Vater hatte gute Beziehungen zum Orgelbauer KLAIS nach Bonn. So fing er dort an, und beendete in vierter Orgelbauergeneration seine Lehre frühzeitig am 08.09.1952. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seinen geliebten Beruf aufgeben.
Der Orgelbaumeister Albrecht Rühlmann, letzter Orgelbauer aus der Familie Rühlmann (Zörbig), geb. am 18. März 1927 in Halle, ist am 26. September 2015 in Wittmund verstorben.

vermtl. 70. Geburtstag (06.12.1912) von Wilhelm Rühlmann sen. << Foto  Familiencrew >>
(mit frdl. Genehmigung vom Heimatverein Kütten)

Stammbaum der Familie Rühlmann (Auszug)
(mit frdl. Genehmigung von Sabine Ludwig)
 

 

 


Wohnungseingang der Familie Rühlmann sowie
das Büro des Chefs um 1930

 

Holzlager / Schopf im Innenhof